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Zwischen Romandie und Deutschschweiz: Véronique Murk neu im Vorstand des SGB-FSS

Als Véronique Murk an der Delegiertenversammlung in den Vorstand gewählt wurde, befand sie sich in den Ferien und war nur kurz online zugeschaltet. Heute freut sie sich darauf, die Zukunft des SGB-FSS mitzugestalten. Aufgewachsen in der Romandie und später in der Deutschschweiz verwurzelt, verbindet sie verschiedene Sprach- und Kulturregionen der Schweiz.

Was hat dich motiviert, für den Vorstand zu kandidieren?
Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung als Vorstandsmitglied des SGB-FSS. Ich bin seit vielen Jahren mit dem SGB-FSS verbunden. Bereits 1992 absolvierte ich meine Ausbildung bei der FSS-RR. Danach wurde ich Gebärdensprachlehrerin für LSF und später für DSGS. Seitdem bin ich dem Verband stets verbunden geblieben. Zudem war ich von 2007 bis 2021 beim SGB-FSS angestellt.
Der SGB-FSS ermöglicht vieles: Chancengleichheit, Mitbestimmung und die Möglichkeit, dass gehörlose Menschen sich als Fachpersonen etablieren und aktiv einbringen können. Deshalb freue ich mich sehr auf meine neue Aufgabe im Vorstand.

Du wurdest an der Delegiertenversammlung 2026 für die Wahl kurz online zugeschaltet. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Es war ein tolles Gefühl! Ich war gerade in Riga, Lettland, und konnte online an der Delegiertenversammlung teilnehmen. Die Technik funktionierte ohne Probleme. Ich konnte den Präsidenten und Roland Hermann bei der Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten sehen.
Besonders stolz machte mich, dass ich ein Video in LSF und DSGS zeigen konnte. Es berührte mich sehr, meine beiden Sprachen vertreten zu sehen. Als ich gewählt wurde, war ich überwältigt. Ich danke allen Mitgliedern herzlich für ihr Vertrauen. Das motiviert mich sehr für meine neue Aufgabe im Vorstand.

Wenn du drei Begriffe wählen müsstest, die dich beschreiben – welche wären das?
Authentisch, zielorientiert und solidarisch.

Was bedeutet Gemeinschaft für dich persönlich?
Gemeinschaft bedeutet für mich Vertrauen, Inklusion und gegenseitige Unterstützung. Sie fördert das Zugehörigkeitsgefühl aller Mitglieder und stärkt unsere Werte und unsere Kultur.

Was bedeutet für dich ein nationaler Verband in einer mehrsprachigen Schweiz?
Ich bin stolz darauf, dass die Schweiz mehrere Sprachen und Kulturen vereint. Ich bin in der Romandie und in der Deutschschweiz aufgewachsen und kenne beide Regionen gut.
Der SGB-FSS entwickelt sich in eine gute Richtung. Er tritt heute verstärkt als nationaler Interessenvertreter auf und verbindet Menschen aus allen Sprachregionen. Für mich ist der SGB-FSS ein starker Verband, der sich für einen selbstverständlichen Zugang und die Gleichstellung gehörloser Menschen einsetzt.

Du bist mit der Westschweizer Gebärdensprache aufgewachsen und hast später DSGS gelernt. Wie hat diese Erfahrung deinen Blick auf die Gehörlosengemeinschaft in der Schweiz geprägt?
Diese Erfahrung ist für mich sehr wertvoll. Wer sowohl die Romandie als auch die Deutschschweiz kennt, versteht die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen besser – ebenso die Situation im Tessin.
Dadurch können wir miteinander diskutieren, voneinander lernen und unsere Sichtweisen austauschen. Es ist wichtig, einander zuzuhören und unterschiedliche Erfahrungen wertzuschätzen, auch wenn wir nicht immer die gleiche Meinung haben. Das stärkt den Zusammenhalt und führt zu gemeinsamen Erfolgen.

Gibt es ein Gebärdenzeichen aus der Romandie und eines aus der Deutschschweiz, die du besonders magst?

Rapide LSF / Herausforderung DSGS

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?
Früher war der SGB-FSS stärker dezentral organisiert. Heute tritt er verstärkt national auf. Diese gemeinsame Solidarität erachte ich als sehr wichtig.
Besonders in der Romandie sehe ich grosse Herausforderungen in der schulischen Bildung und in der beruflichen Ausbildung. Dort besteht ein grosser Handlungsbedarf, und ich möchte mich aktiv einbringen. Dabei vergesse ich die italienische Schweiz nicht.
Mir liegen die Gebärdensprache, Authentizität, Respekt und die Wertschätzung aller Menschen in der Schweiz besonders am Herzen.

Was möchtest du im Vorstand des SGB-FSS bewegen?
Ich möchte dazu beitragen, den Verband weiter zu stärken und das Bewusstsein für die Gebärdensprache zu fördern.
Wichtig sind mir die Anerkennung der Gebärdensprache, offene Türen für alle, die Vermeidung von Arbeitslosigkeit durch Sensibilisierung und bessere Chancen sowie die Vernetzung zwischen der Romandie, dem Tessin und der Deutschschweiz. Auch politische Themen liegen mir am Herzen.

Worauf freust du dich in deiner neuen Rolle am meisten?
Ich freue mich darauf, die anderen Vorstandsmitglieder und die Mitglieder des SGB-FSS kennenzulernen. Gleichzeitig bin ich gespannt, meine neue Rolle zu entdecken und mich für die Menschen einzusetzen.

Was sollten hörende Menschen besser über gehörlose Menschen verstehen?
Ich wünsche mir, dass hörende und gehörlose Menschen mehr miteinander in Kontakt kommen. So können wir einander besser verstehen und Brücken zwischen unseren Kulturen bauen.
Wir sind unterschiedlich, aber gleichwertig. Für mich ist das wie ein Tandemvelo: Gehörlose und Hörende sind Partner für die gleiche Sache. Beide Räder sind wichtig, damit es vorwärtsgeht.

Welche Botschaft möchtest du den Mitgliedern mitgeben?
Ein herzliches Dankeschön an alle Mitglieder für meine Wahl in den Vorstand. Ich freue mich sehr über euer Vertrauen und werde mich mit grossem Engagement für unsere Gemeinschaft einsetzen.

Publiziert am 24. Juni 2026