Sprache

Barrierefreiheit

Taktile Kommunikation & Hör-Sehbehinderung 

Menschen mit einer Hörsehbehinderung oder Taubblindheit nutzen eigene Kommunikationsformen, um sich mit ihrer Umwelt auszutauschen. Wenn Hören und Sehen stärker eingeschränkt sind, spielt auch die taktile Wahrnehmung – also das Fühlen über die Hände – eine zentrale Rolle.

💡Gut zu wissen

  • Die Wahl der Kommunikationsform erfolgt stets in Absprache mit der hörsehbehinderten Person.
  • Menschen mit Hörsehbehinderung oder Taubblindheit nutzen eine Vielzahl unterschiedlicher Kommunikationsformen – von Lormen über die Visual-Frame-Gebärdensprache bis hin zur taktilen Gebärdensprache.
  • In der Schweiz leben rund 57’000 Menschen mit einer Hörsehbehinderung oder Taubblindheit.
  • Die Hörsehbehinderung oder Taubblindheit ist eine eigenständige Behinderungsform, die den Alltag in nahezu allen Lebensbereichen beeinflusst.
  • Das Usher Syndrom Typ 1 ist die häufigste Ursache einer angeborenen Hörsehbehinderung bei gehörlosen Menschen.

Was ist Lormen?

Lormen ist ein Handalphabet für Menschen mit Taubblindheit oder Hörsehbehinderung. Dabei werden Buchstaben durch bestimmte Berührungen und Bewegungen in der Handfläche dargestellt. 

Die sprechende Person tippt oder streicht einzelne Zeichen in die Hand der anderen Person. So können Wörter und ganze Sätze über den Tastsinn verstanden werden. 

Lormen ermöglicht eine direkte und persönliche Kommunikation – auch in Situationen, in denen eine Verständigung über Hören oder Sehen nicht möglich ist.

Weitere Infos: 

Was ist taktile Gebärdensprache? 

Die taktile Gebärdensprache basiert auf der Gebärdensprache, wird jedoch über Berührung wahrgenommen statt über das Sehen. 

Die hörsehbehinderte oder taubblinde Person legt dabei ihre Hände auf die Hände der gebärdenden Person und spürt so Bewegungen, Formen und Ausdruck der Gebärden.

Wichtig dabei: 

  • klar gebärden  
  • einen ruhigen, kleinen Gebärdenraum nutzen  
  • die Hände der betroffenen Person nicht festhalten oder führen  

Die Kommunikation erfolgt immer in Absprache mit der betroffenen Person und ihren individuellen Bedürfnissen.

Weitere Informationen 

Weitere Kommunikations-Formen 

Menschen mit Hörsehbehinderung oder Taubblindheit nutzen je nach Situation verschiedene weitere Kommunikationsformen – zum Beispiel: 

  • Brailleschrift  
  • Computer- oder Braillezeilen  
  • Finger-Braille  
  • Visual-Frame-Gebärdensprache  
  • Schreiben auf Smartphone, Tablet oder Papier  
  • Haptische Kommunikation über Berührungszeichen  

Kommunikation ist immer individuell – entscheidend ist, welche Form für die betroffene Person am besten funktioniert. Vertiefte Informationen zu Kommunikations-Formen sind bei SZBLIND zu finden.

Bekannteste Formen der Hör-Sehbehinderung

  • Altersbedingte Hör- und Sehbehinderung 
    Die häufigste Form insgesamt. Mit zunehmendem Alter treten oft gleichzeitig Hörverlust und Sehprobleme auf (z.B. Makuladegeneration, Katarakt und Schwerhörigkeit).  
  • Usher-Syndrom 
    Die häufigste angeborene Ursache bei gehörlosen Menschen. Betroffene sind gehörlos oder schwerhörig, wobei ihr Sehvermögen schrittweise abnimmt (Retinitis pigmentosa).  
  • Kombination aus Seh- und Hörverlust durch Krankheiten oder Unfälle 
    Zum Beispiel durch Diabetes, Hirnverletzungen, Infektionen oder neurologische Erkrankungen.  

Meine Taubblindheit definiert mich nicht – Barrieren tun es. Wo Verständnis wächst, verlieren Barrieren ihre Macht.

Sabine Reinhard

Das Usher Syndrom 

Das Usher-Syndrom ist eine seltene genetisch bedingte Erkrankung, die das Hören, Sehen und teilweise auch den Gleichgewichtssinn beeinträchtigt. Betroffene sind gehörlos oder schwerhörig, wobei ihr Sehvermögen gleichzeitig schrittweise abnimmt. Typisch ist ein sogenannter Röhrenblick oder Tunnelsehen.

Vier Symptome sind besonders charakteristisch: 

  • Nachtblindheit
  • Blendempfindlichkeit
  • eingeschränktes Sichtfeld (Röhrenblick)
  • Gleichgewichtsstörungen

Wie kommuniziert man mit einer Person die Usher-Syndrom hat? 

Visual frame Gebärdensprache: Dabei verwendet man einen kleinen Gebärdenraum rund um das Gesicht. Ein zu grosser Gebärdenraum ist zu vermeiden. 

Taktile Gebärdensprache: Die sprechende Person oder Gebärdensprachdolmetscher*in gebärden klar und deutlich. Die betroffene Person legt ihre Hände auf die Hände der gebärdenden Person. Die Hände der betroffenen Person sollen dabei niemals aktiv ergriffen oder geführt werden. 

Weitere Infos in der Broschüre von SZBLIND

Anlaufstelle SZBLIND 

Der SZBLIND setzt sich für Menschen mit Sehbehinderung sowie Hörsehbehinderung ein. Gemeinsam mit dem Schweizerischen Gehörlosenbund SGB-FSS engagiert sich die Organisation insbesondere für gehörlose Menschen mit Sehbehinderung. 

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