Sprache

Barrierefreiheit

Ergänzte Lautsprache (ELS)

Die Ergänzte Lautsprache (ELS) ergänzt das Lippenlesen und erleichtert das Verstehen der gesprochenen Sprache. In der Romandie ist sie seit vielen Jahren verbreitet, in der Deutschschweiz hingegen wenig bekannt.

Was ist die Ergänzte Lautsprache? 

Die Ergänzte Lautsprache (ELS) ist eine Kommunikationsmethode, die das Lippenlesen unterstützt. Sie ergänzt die sichtbaren Informationen des Mundbildes durch Handformen und Handpositionen in Gesichtsnähe. Dadurch werden Laute sichtbar, die beim Lippenlesen allein nicht oder nur schwer unterschieden werden können. 

ELS ermöglicht gehörlosen und schwerhörigen Menschen, gesprochene Sprache vollständig und eindeutig wahrzunehmen. Während beim Lippenlesen nur etwa 40 % der deutschen Lautsprache eindeutig auf den Lippen erkennbar sind, ergänzt ELS die fehlenden Informationen und macht alle Laute sichtbar. 

ELS ist keine eigene Sprache. Sie ergänzt die gesprochene Sprache und macht sie visuell zugänglich.

Wie funktioniert ELS? 

Beim Sprechen werden die Lippenbewegungen durch eine Hand ergänzt: 

  • Die Handform zeigt die Konsonanten (Mitlaute). 
  • Die Handposition zeigt die Vokale (Selbstlaute). 
  • Handform und Handposition bilden zusammen eine Silbe. 

Jede Kombination ergänzt die Lippenbewegung und macht die gesprochene Sprache eindeutig sichtbar. 

Mit ELS kann jede Form von Sprache vermittelt werden – von einfachen Wörtern über komplexe Sätze bis hin zu abstrakten Gedanken. Auch Endungen, Funktionswörter und andere schwer erkennbare Sprachelemente werden eindeutig wahrnehmbar. 

So funktioniert ELS:

Warum ist ELS wichtig? 

Viele gehörlose und schwerhörige Menschen können gesprochene Sprache trotz Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten nicht vollständig wahrnehmen. Lippenlesen allein reicht oft nicht aus, da viele Laute auf den Lippen gleich aussehen oder gar nicht sichtbar sind. 

ELS schliesst diese Informationslücken und ermöglicht: 

  • einen besseren Zugang zur Lautsprache 
  • eine präzise Verständigung 
  • den Aufbau von Sprachkompetenz 
  • die Unterstützung beim Lesen- und Schreibenlernen 
  • mehr Selbstständigkeit und Chancengleichheit 

ELS ergänzt die gesprochene Sprache, ohne dass auf eine andere Sprache ausgewichen werden muss. Sie macht die eigene Kommunikationssprache sichtbar und zugänglich.

💡 Hast du gewusst? 

  • ELS funktioniert auch mit Dialekten 
    Mit ELS kannst du genau die Sprache sprechen, die du im Alltag verwendest – Hochdeutsch, Schweizerdeutsch oder deinen regionalen Dialekt. 
    Ob «Grüezi», «Hoi», «Sali» oder «Guete Tag» – ELS macht die gesprochenen Laute sichtbar.
  • Nur rund 40 % der Lautsprache sind auf den Lippen sichtbar 
    Viele Laute sehen beim Lippenlesen gleich aus. ELS ergänzt die fehlenden Informationen und verhindert Missverständnisse. 
  • ELS unterscheidet Lippen-Doppelgänger 
    Laute wie pb und m oder Vokale wie ou und ö sehen auf den Lippen sehr ähnlich aus. Mit ELS können sie eindeutig unterschieden werden. 
  • ELS ist keine Gebärdensprache 
    ELS ergänzt die gesprochene Sprache. Sie folgt Wort für Wort und Silbe für Silbe dem Gesagten. Gebärdensprachen sind hingegen eigenständige natürliche Sprachen mit eigener Grammatik. 
  • ELS ist nicht das Fingeralphabet
    Beim Fingeralphabet werden Buchstaben einzeln buchstabiert. ELS macht hingegen die gesprochenen Laute und Silben sichtbar und begleitet die natürliche Sprechgeschwindigkeit. 
  • ELS lässt sich schnell erlernen 
    Die Grundlagen können bereits in wenigen Kursstunden erlernt werden. Mit etwas Übung wird das Kodieren rasch Teil des natürlichen Sprachflusses. 
  • ELS gibt es weltweit 
    Die Methode wurde für mehr als 50 Sprachen angepasst, darunter Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Chinesisch. 

Geschichte der ELS 

Die Ergänzte Lautsprache wurde 1966 vom amerikanischen Physiker und Akustiker Dr. Orin Cornett entwickelt. Sein Ziel war es, gehörlosen Kindern einen vollständigen Zugang zur gesprochenen Sprache zu ermöglichen.  

Ab den 1970er-Jahren verbreitete sich die Methode zunächst in englisch- und französischsprachigen Ländern. In den 1980er-Jahren wurde sie auch in der Schweiz eingeführt und für die deutsche Sprache weiterentwickelt. 

Heute ist die Methode in der Schweiz unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt: 

  • LPC (Langue Parlée Complétée) in der Romandie 
  • ELS (Ergänzte Lautsprache) in der Deutschschweiz 
  • Cued Speech im internationalen Umfeld 

Besonders in der Romandie hat sich die LPC über viele Jahre etabliert und wird von Familien, Fachpersonen und Bildungseinrichtungen eingesetzt. Die Förderung erfolgt insbesondere durch die ALPC Suisse, die Kurse, Beratung und Informationsangebote anbietet. 

In der Deutschschweiz ist die ELS weniger verbreitet. 

Wichtige Organisationen für die ELS 

ALPC – Association pour la Langue Parlée Complétée 

In der Romandie wird die Methode unter dem Namen Langue Parlée Complétée (LPC) seit vielen Jahren erfolgreich gefördert und angewendet. 

EdLS – Ergänzte Lautsprache Deutschschweiz 

Informationen, Kurse und Angebote zur Ergänzten Lautsprache in deutscher Sprache: