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«Wir machen Musik hörbar, sichtbar und spürbar»

Vanessa ist als hörendes Kind gehörloser Eltern mit Gebärdensprache aufgewachsen. Seit mehr als zehn Jahren steht sie gemeinsam mit SIGA auf der Bühne. Im Interview erzählt sie, wie sie Musik mit Gebärdensprache sichtbar macht und was das Konzertformat «Sound of Signs» besonders macht.

Schweizerischer Gehörlosenbund: Vanessa, welche Gebärdensprache verwendest du bei deinen Auftritten?

Vanessa: Aktuell finden meine Auftritte hauptsächlich in Deutscher Gebärdensprache (DGS) statt. Da wir zunehmend auch in der Schweiz auftreten, ist es mir wichtig, mich sprachlich weiterzuentwickeln und auf das Schweizer Publikum einzugehen. Deshalb lerne ich mittlerweile auch Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS).
Ich finde es spannend und wichtig, mich mit den verschiedenen Gebärdensprachen auseinanderzusetzen und nicht davon auszugehen, dass Gebärdensprache überall gleich ist. Bei unseren Auftritten möchte ich möglichst vielen Menschen einen direkten Zugang zu unserer Musik ermöglichen.

Wie bist du ursprünglich mit Gebärdensprache in Kontakt gekommen?

Ich bin als hörendes Kind gehörloser Eltern – als sogenannte CODA – mit Gebärdensprache aufgewachsen. Sie war für mich von klein auf eine ganz natürliche Sprache und ist ein wichtiger Bestandteil meiner Familie und meines Lebens.

Was fasziniert dich daran, Musik in Gebärdensprache zu übertragen?

Mich fasziniert, dass ich Musik nicht einfach übersetze, sondern versuche, sie sichtbar zu machen. Musik besteht nicht nur aus Text und Melodie, sondern auch aus Emotionen, Rhythmus, Dynamik und Stimmung. Genau das möchte ich mit meinem Körper, meiner Mimik und meinen Gebärden vermitteln.
Ich finde es schön, wenn gehörlose Menschen dadurch einen weiteren Zugang zur Musik und zu den Emotionen eines Liedes erhalten. Gebärdensprache ist für mich eine wunderschöne und sehr ausdrucksstarke Sprache. Wenn ich sie mit Musik verbinden kann, entsteht etwas ganz Besonderes.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen dir und SIGA entstanden?

SIGA wurde über Facebook auf mich aufmerksam. Damals nahm ich mit meinem Handy einfache Videos von verschiedenen Liedern auf und übertrug diese in Gebärdensprache.
Zuvor hatte SIGA von einem gehörlosen Fan erfahren. Dadurch beschäftigte er sich intensiver mit der Frage, wie er seine Musik auch gehörlosen und schwerhörigen Menschen zugänglich machen könnte. Ihm war es wichtig, nicht nur Untertitel anzubieten, sondern auch die Musik und die damit verbundenen Emotionen sichtbar zu machen. Die Gebärdensprache sollte direkt neben ihm in die Musikvideos integriert werden.
Nachdem SIGA eines meiner Videos gesehen hatte, kontaktierte er mich und erzählte mir von seiner Idee für das Projekt «Du». Ich war sofort begeistert und sagte zu.
So entstand unsere Zusammenarbeit, die mittlerweile seit mehr als zehn Jahren besteht. Ich war erst 13 Jahre alt, als SIGA mich ins Boot holte. Seitdem stehen wir gemeinsam auf der Bühne und machen Musik hörbar und sichtbar.

Was bedeutet «Sound of Signs» für dich – und was macht dieses Konzertformat besonders?

«Sound of Signs» bedeutet für mich vor allem Begegnung, Inklusion und das gemeinsame Erleben von Musik.
Das Besondere ist, dass die Gebärdensprache nicht einfach als zusätzliche Übersetzung nebenbei stattfindet. Sie wird zu einem Teil der Performance und der Musik. SIGA steht auf der Bühne und macht Musik, während ich die Texte, Emotionen und die Energie der Songs in Gebärdensprache sichtbar mache.
Dabei geht es nicht nur darum, gehörlosen Menschen den Zugang zur Musik zu ermöglichen. Hörende und gehörlose Menschen sollen gemeinsam feiern und erleben können, dass Musik auf unterschiedliche Arten wahrgenommen werden kann.
Genau das war SIGAs Vision, die wir gemeinsam verwirklicht haben. Bei unseren Auftritten sollen hörende und gehörlose Menschen gemeinsam vor der Bühne stehen, die Musik erleben und Teil des Konzerts sein können.
Dazu gehört für uns auch, die Musik körperlich spürbar zu machen – beispielsweise durch starke Bässe, eine Vibrationsbühne und teilweise auch durch Ballons, über die sich die Schwingungen der Musik wahrnehmen lassen.
«Sound of Signs» ist für mich deshalb mehr als ein Konzert. Es ist ein Zeichen für Barrierefreiheit und Gemeinschaft – und dafür, dass Musik für alle da sein sollte.

Publiziert am 25. September 2026